Update aus Mönchaltorf: Zwischen Explosionsschutz, Postauto-Luftmengen und gefrorenem Kies
9’000 Kubikmeter Luft pro Stunde – explosionsgeschützt bis aufs Dach
Am Produktionsstandort in Mönchaltorf laufen seit Dezember intensive Umbauarbeiten. Im Mittelpunkt steht eine neue, explosionsgeschützte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die technisch wie organisatorisch einiges abverlangt. Was nach einer überschaubaren Installation klingt, entwickelte sich schnell zu einem Projekt mit vielen Beteiligten und besonderen Anforderungen.
Das wichtigste Merkmal der neuen Anlage: Explosionsschutz. Die komplette Lüftungsanlage wurde entsprechend umgebaut und neu ausgelegt. Sie steht heute auf dem Dach und fördert rund 9’000 Kubikmeter Luft pro Stunde – inklusive Wärmerückgewinnung.
Dafür mussten massive Lüftungskanäle durch zwei Stockwerke bis aufs Dach geführt werden. Jeder einzelne Durchgang brachte zusätzliche Anforderungen mit sich:
Alle Wand- und Deckendurchbrüche wurden fachgerecht erstellt, wieder geschlossen – und selbstverständlich mit Brandschutzverkleidungen versehen.
Der Baumeister war dabei ebenso gefordert wie spezialisierte Lüftungstechniker, ein Lüftungsingenieur (intern liebevoll „Schnude“ genannt – der Grund bleibt geheim) und die Spezialisten der Wärmerückgewinnungsanlage von 7air.
Baustelle im Winter: Wenn Kies gefriert und Schneeschaufeln Pflicht wird
Winterbaustelle bedeutet: Geduld.
Auf dem Dach mussten zunächst neue Bodenplatten erstellt werden. Das Problem: gefrorener Kies, eisige Temperaturen und eingeschränkte Zeitfenster. Teilweise konnte erst am Nachmittag gearbeitet werden, wenn der Untergrund überhaupt bearbeitbar war.
Parallel dazu: Schneeschaufeln. Sarah und Silvan Lämmle haben am Sonntag höchstpersönlich dafür gesorgt, dass Wege frei, Flächen begehbar und Arbeiten überhaupt möglich blieben – ein Detail, das man in der Planung selten sieht, das in der Realität aber entscheidend ist.
Modulbauweise: Die Anlage als technisches Puzzle
Die Lüftungsanlage selbst bestand aus zahlreichen Modulen. Diese wurden einzeln angeliefert, auseinandergebaut, teilweise umgerüstet, teilweise ersetzt und anschliessend wieder neu zusammengesetzt.
Ein Puzzle auf Industrieniveau – mit Explosionsschutz, Brandschutz und Wärmerückgewinnung als zusätzliche Schwierigkeitsstufen.
Damit das Ganze überhaupt aufs Dach kam, war ein spezieller Auslegerkran im Einsatz, bedient vom Kranmeister der Firma Flück. Zwei Elektriker, ein Steuerungstechniker für die gesamte Ansteuerung, ein Softwarespezialist für die Umprogrammierung sowie ein Heizungsspezialist für die komplette Verrohrung sorgten dafür, dass am Ende nicht nur alles montiert, sondern auch funktional korrekt zusammenspielt.
Und dann war da noch Walti: Er hatte im Blick, dass Werkzeug vorhanden ist, dass gesalzen wird, es nicht eisig ist und sich der Kran sauber abstützen kann. (Nebenbei: Schwiegerpapa von Stephan Lämmle – Erfahrung schlägt manchmal jedes Pflichtenheft.)
Planung trifft Realität – und nicht alles passt auf Anhieb
Wie so oft bei komplexen Umbauten lief nicht alles nach Plan.
Einige Kabel, die in der Vorbereitungsphase eingelegt wurden, entsprachen später nicht mehr den Anforderungen und mussten wieder entfernt und ersetzt werden. Die notwendige Korrektur war für Stephan Lämmle nicht gerade ein Stimmungsaufheller.
Die aktuell grösste Herausforderung liegt nun bei der Konformitätserklärung, die der Behörde vorgelegt werden muss. Sie bestätigt, dass alle Anforderungen erfüllt sind – ein formaler Schritt, der technisch ebenso anspruchsvoll ist wie der Umbau selbst.
Lieferengpässe, Umwege – und ein verpasster Termin
Nicht alles war steuerbar:
Ein Schweizer Hersteller von Brandschutzisolation für Lüftungskanäle hatte einen Produktionsschaden. Die Folge: kurzfristiger Lieferantenwechsel, Umplanung und zusätzliche Koordination.
Und mitten im ganzen Umbau-Alltag ging auch mal etwas anderes unter:
Stephan Lämmle verpasste seinen Vorführtermin beim Strassenverkehrsamt.
Prioritäten verschieben sich manchmal sehr real, wenn eine explosionsgeschützte Lüftungsanlage auf dem Dach steht.
Ausblick: Tankraum, Labor und viele erste Male
Parallel zu den laufenden Arbeiten laufen bereits die Vorbereitungen für den explosionsgeschützten Tankraum.
Auch im Labor geht es weiter: Möbelaufbau, intensive Vorbereitung – und viel Abstimmungsbedarf. Für viele Chemikerinnen und Chemiker ist ein solches Projekt Neuland. Die hohe Komplexität, die Vielzahl an Entscheidungen und die Abhängigkeiten waren zeitweise nervlich belastend, wurden aber gemeinsam getragen.
Fazit: Technik, Teamwork und ein bisschen Winterhärte
Der Umbau der Lüftungsanlage in Mönchaltorf zeigt, wie viel Koordination, Fachwissen und Flexibilität nötig sind, um einen Produktionsstandort zukunftsfähig aufzustellen. Zwischengefrorenem Kies, Explosionsschutz, Kabelkorrekturen und 9’000 Kubikmetern Luft pro Stunde ist eines klar geworden: Solche Projekte funktionieren nur, wenn viele Spezialisten Hand in Hand arbeiten – und wenn jemand rechtzeitig Salz streut.