10.06.2024

Sichtbar sauber! Ist das sauber genug?

 

Die Sauberkeit von Hydraulikflüssigkeiten in hochbelasteten hydraulischen und hydrostatischen Systemen von mobilen und stationären Anlagen, Maschinen und Fahrzeugen ist seit Jahrzehnten ein thematischer Dauerbrenner und wurde in unzähligen Fachartikeln behandelt. In der Praxis treffen wir trotzdem regelmässig auf Fragezeichen bei Anwendern, wenn es darum geht, Hydrauliköle korrekt zu pflegen, zu lagern oder Maschinen und Anlagen zu befüllen und langfristig störungsfrei zu betreiben.

Die visuelle Beurteilung der Sauberkeit einer Hydraulikflüssigkeit ist eine gängige und sogar genormte Methode zur Definition der Reinheitsklasse (z. B. ISO 4406). Visuell, also mit dem blossen Auge, wird die Sauberkeit des Schmierstoffes beurteilt. In der Konsequenz würde das heissen, sichtbar sauber ist also sauber genug? Weit verfehlt! Die visuelle Beurteilung wird folgerichtig von Auge durchgeführt, aber zwingend unter Einbezug und Zuhilfenahme eines um ein Vielfaches vergrössernden Mikroskops. Was also ohne Hilfsmittel sauber aussieht, entspricht längst nicht den geltenden Mindestanforderungen für Hydraulikflüssigkeiten oder den maschinen- und anlagenabhängigen, individuell festgelegten Forderungen der OEMs.

In der Routineanalytik von im Gebrauch stehenden Hydraulikölen wird längst auf automatische Partikelzähler gesetzt, welche die visuelle Beurteilung ersetzen und zu zuverlässigeren, reproduzierbaren und vergleichbaren Resultaten führen. Im Labor des LTC LAEMMLE Tec Centers untersuchen wir Hydraulikflüssigkeiten gemäss ISO 4406 und wenden Grenzwerte gemäss Abbildung 1 an, respektive gehen wir sogar einen Schritt weiter und filtrieren ausgewählte Hydraulikflüssigkeiten bei der Abfüllung, um normspezifische Vorgaben zum Beispiel gemäss DIN 51524 zu erfüllen. Jedoch ist zu beachten, dass Hydrauliköl aus einem ungeöffneten, frisch angelieferten Gebinde nicht in jedem Fall der geforderten Reinheitsklasse des Anlagen- oder Maschinenherstellers genügt. Die Systembefüllung mittels eines geeigneten Filtersystems kann in gewissen Fällen notwendig sein, um einen störungsfreien Betrieb sicherzustellen und systeminterne Filter nicht unnötig zu belasten.

Um den Zustand der Hydraulikflüssigkeit zu überprüfen, empfehlen wir regelmässige Ölanalysen im Labor des LTC LAEMMLE Tec Centers; nebst vielen anderen Parametern gehört die Messung der Reinheitsklasse ISO 4406 zum Standard-Umfang und einem wichtigen Beurteilungskriterium.

Sollten Sie also zukünftig einen LTC-Untersuchungsbericht mit dem folgenden Kommentar lesen, kennen Sie die Beurteilungsgrundlage und den fachlichen Hintergrund: «Das Öl weist gegenüber unserem Grenzwert (21/17/13) eine zu hohe Partikelverschmutzung (Reinheitsklasse ISO 4406) auf. Der Schmierstoff muss filtriert werden oder die Systemfilter sind zu wechseln. Ist eine Filtration nicht möglich oder sinnvoll, muss das Öl gewechselt werden.»

 

Autor: Martin Ruch, Leiter Technical Support
Abbildung 1: LTC LAEMMLE Tec Center Gebrauchtöl-Analyse